Digitale Transformation

Digitale Transformation – What???

Ich halte nichts von Buzz-Wörtern. Ich bin sogar der Meinung, dass diese für Missverständnis und Angst sorgen. Manche behaupten sogar, hinter der Angst verstecke sich ein Geschäftsmodell. Für mich ist es aber umso spannender, Menschen auf Buzz-Wörter anzusprechen. Auf die Frage „Was machst du eigentlich beruflich?“ antworte ich zurzeit bewusst „Ich beschäftige mich mit Digitaler Transformation von Unternehmen.“ Meine Gesprächspartner arbeiten in unterschiedlichen Branchen und auf unterschiedlichen Hierarchiestufen – die Reaktion ist aber bei den Meisten ident: „Was ist Digitale Transformation?“

Digitale Transformation im persönlichen Leben

Wir durchleben (fast) alle unsere eigene „Digitale Transformation“. Wir suchen ständig nach Unterstützung für unterschiedlichste Aufgaben und finden diese in technischen (smarten) Hilfsmitteln: Die Kaffeemaschine, die in der Früh zeitgesteuert den Lieblingskaffee zubereitet und natürlich mit dem Smartphone verbunden ist. Das Auto, das bei fast leerem Tank automatisch die Route zur nächstgelegen Tankstelle vorschlägt. Unterschiedlichste Kommunikationsmöglichkeiten, die die Welt zu einem Dorf werden lassen. Die einen Apps, die uns erinnern, mehr Sport zu machen. Die anderen Apps, die uns dabei helfen, besondere Momente mit unseren Freunden zu teilen. Für viele Menschen ist die Benutzung „smarter“ Assistenten im privaten Gebrauch bereits selbstverständlich.

Digitale Transformation und Unternehmen

Was bedeutet „Digitale Transformation“ für Unternehmen? Was ist mit der viel propagierten vierten industriellen Revolution, Smart Factory, Big Data … und wie all die anderen Buzz-Wörter heißen?

Die aktuelle industrielle Revolution ist die erste, in der nicht Unternehmen die Vorreiter in der Nutzung von vielen technischen Neuentwicklungen sind, sondern private Personen. In den ersten drei industriellen Revolutionen, waren die damalig neuen Technologien für private Personen zu teuer und unbrauchbar. Der erste Versuch eine Technologie für den privaten Gebrauch sinnvoll nutzbar zu machen, war die Entwicklung des „Personal Computers“ (PC). Dabei war die Überlegung, den Menschen eine Technologie zu bieten, die sie unabhängig machen soll. Die Rechnung ging allerdings nicht auf. Viele Unternehmen hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Großrechner im Einsatz und haben sehr früh auf den PC als Arbeitsmittel am Schreibtisch gesetzt. Die geplante persönliche Unabhängigkeit wurde so für viele Menschen zu einem Muss in der Arbeit.

Diese industrielle Revolution hat bei den Menschen begonnen

Technologische Erneuerungen wurden über die letzten Jahre immer günstiger und auch in ihrer Bauform kleiner. Somit war der Markt der Endkunden für Hersteller interessant geworden. Durch die hohe Nachfrage und Kaufkraft auf diesem Markt, wurden die Entwicklungszyklen immer kürzer. Somit haben nun erstmals Menschen einen Vorsprung in der privaten Nutzung von neuen Technologien gegenüber ihren Arbeitgebern. Zusätzlich sind viele Unternehmen über die Nutzung des PCs als Arbeitsmittel nicht hinausgekommen. Diese Lücke zu schließen, allen Mitarbeitern, Kunden und anderen Menschen rund um ein Unternehmen für sie alltägliche Interaktionsmöglichkeiten zu bieten, wird in Zukunft wettbewerbsentscheidend sein.

Wir blicken gerne zurück

Bei bevorstehenden, unsicheren Veränderungen blicken wir in unserer Kultur gerne zurück („Wie haben wir es bisher gemacht? Das hat ja gut funktioniert – so machen wir weiter“), oder im besten Fall zur Seite und versuchen von Mitmenschen bzw. einem Mitbewerber zu kopieren („Das funktioniert dort gut – das muss bei mir auch funktionieren“). Beim Blick auf andere wird aber ein wesentlicher Faktor oft außer Acht gelassen: Die (Unternehmens)Kultur – diese ist immer einzigartig und was nicht wirklich gelebt wird, kann auch nicht erfolgreich werden. Vielmehr geht es darum, seine Einzigartigkeit und sein Können in den Vordergrund zu stellen und diese auf mögliche Fragestellungen der Zukunft anzuwenden. Nur durch Kreativität und den Mut aus altbewährten Mustern auszubrechen, kann wahre Innovation entstehen.

Zukunft muss gestaltet werden

Peter Drucker hat schon vor Jahren sehr treffend gesagt: The only thing we know about the future is that it will be different. Trying to predict the future is like trying to drive down a country road at night with no lights while looking out the back window. The best way to predict the future is to create it.“

Digitale Transformation hat sehr wenig mit Technik zu tun. Vielmehr geht es darum, die Probleme der Menschen zu verstehen, die richtigen Fragen zu formulieren und nach möglichen Lösungen zu suchen. Die Technik ist dann „nur“ noch Unterstützer in der Umsetzung einer gefunden Lösung.

Zur Person

Dietmar Stefl-Sedlnitzky ist Partner von tecXcon und begleitet im Rahmen des SMARTWORK camp16 den Think Tank “Digitale Transformation”.