Smartwork

Herausforderungen und neue Wege für Steirische Unternehmen

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Das ist in vielen Lebensbereichen sowohl in der Gesellschaft, in Unternehmen aber auch direkt für die einzelnen Menschen spürbar. Unterschiedliche Treiber und Entwicklungen beeinflussen diese Veränderung. Digitalisierung, Industrie 4.0, Globalisierung oder Generation Y sind Schlagworte, die in diesem Zusammenhang immer wieder genannt werden.
Im Rahmen des Projektes SMARTWORK beschäftigt sich eine Initiative von UnternehmerInnen genauer mit diesen Veränderungen. Dazu diskutierten im Mai und im Juni 2016 unterschiedliche Personen aus steirischen Unternehmen in insgesamt vier Dialogrunden zu folgenden Fragestellungen:

  1. Welche Veränderungen erleben Sie momentan in Bezug auf die Arbeitswelt?
  2. Wo sehen Sie in Ihrem Arbeitskontext die konkreten Herausforderungen?
  3. Was tun Sie bereits in Ihrem Wirkungsbereich, um die Arbeit „smarter“ zu gestalten?

Ziel der Dialogrunden war es, Herausforderungen und Druckpunkte zu identifizieren, die Menschen in den Unternehmen wirklich beschäftigen. Darüber hinaus wurden konstruktive Modelle und Ansätze identifiziert, um mit dem Wandel konstruktiv umzugehen. Nachfolgend sind die wichtigsten Ergebnisse zusammen gefasst:

Aktuelle Herausforderungen

Hohes Tempo
Die Arbeitswelt ist aktuell durch ein hohes Tempo gekennzeichnet. Abläufe, Prozesse und Aktivitäten werden als “sehr dicht und dynamisch” erlebt. Spürbar wird dies, dass sich in Unternehmen die Inhalte und Themen schneller verändern als die Strukturen und es weniger Standardprozesse gibt. Auswirkungen hat dies vor allem auf den Bereich der Kommunikation, der als herausfordernd und durch den hohen Grad an Verschriftlichung als sehr verkürzt erlebt wird.

Zunehmende Komplexität
Menschen spüren in ihrem Arbeitskontext, dass die Komplexität zugenommen hat. Die Arbeit wird stärker projektbezogen organisiert, die Organisationsstrukturen bleiben aber eher starr mit wenigen Standardprozessen. Dadurch entsteht ein Gefühl der Überforderung. Der individuell wahrgenommene Workload scheint gestiegen zu sein.
Erlebt wird auch, dass die Herausforderungen steigen. Im Umgang mit Lösungen zeigt sich, dass es offensichtlich an innovativen Zugängen fehlt und das Einbeziehen vieler Personen und Gruppen in Prozese als zentrale Herausforderung erlebt wird.

Angst vor Veränderungen
Zwischen dem Management von Stabilität (alt) und der Innovation (neu) gibt es Spannungen in Unternehmen. Durch die spürbare Veränderung entsteht die Sorge, den aktuellen Status oder den Arbeitsplatz zu verlieren. Es herrscht Unklarheit darüber, wie die Veränderung überhaupt zu bewältigen ist. Es ist Zweifel spürbar, ob das Neue wirklich funktionieren kann. Das Entwickeln von positiven Zukunftsperspektiven scheint in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung zu sein.

Werte und Sinn
Häufig wird erwähnt, dass sich immer mehr Menschen bewusst für eine Tätigkeit entscheiden, die für sie sinn- und identitätsstiftend erlebt wird. Auf der anderen Seite gibt es nach wie vor viele Menschen, die einen Job nur zur Absicherung ihrer finanziellen Grundbedürfnisse ausüben. Der Wunsch, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen, mit der man den Lebensunterhalt finanzieren kann, wird allerdings immer größer.
Engagement und Loyalität, flexibler Umgang mit Zeit, Nachhaltigkeit, Vertrauen, Gesundheit, Work-Life-Balance und Transparenz werden als wichtige Werte genannt. Wesentlich erscheint, welche Werte im Unternehmen dann tatsächlich gelebt werden, die Zeit der Leitbilder ist vorbei. Unternehmen haben zunehmend die Aufgabe, ihren MitarbeiterInnen eine gute Arbeitsatmosphäre zu bieten und sie so länger im Unternehmen zu halten. Wertekonflikte in Unternehmen entstehen auch durch das Aufeinandertreffen von jungen und älteren MitarbeiterInnen.

Führung
Für viele Führungskräfte wird spürbar, dass sich die Art der Führung verändern muss. Sie verspüren einen großen Druck und stoßen an ihre Grenzen, besonders betroffen schein Führung im mittleren Management. Doch nicht immer sind die Rahmenbedingungen und neue Anforderungen klar, denn die alte Form von Führung bringt nicht mehr die erwünschten Ergebnisse. Führungskräfte fühlen sich oft überfordert. Konsens herrscht darüber, dass es nicht mehr um das Führen und Management von Prozessen, sondern um das Führen von Menschen geht.

Digitale Transformation
Die Digitalisierung wirkt sichbesonders auf die Kommunikation aus. Abgesehen davon, dass beschleunigt wird, werden permanente Verfügbarkeit (Online-Präsenz) und große Emailflut als schwierig und belastend erlebt. Erschwert wird die Situation durch fehlende digitale Kompetenzen. Digitalisierung macht auf der anderen Seite Wissen verfügbar. Der digitale, administrative Aufwand wird als sehr hoch eingeschätzt, es braucht daher unbedingt eine administrative Entmüllung. Probleme entstehen durch die zahlreihen unterschiedlichen Tools, die in Unternehmen verwendet werden und die verschiedenen Standorte, Sprachen und Kulturen, die in Teams vorherrschen.
Durch die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung braucht es klare gesetzliche und interne Rahmenbedingungen. Es besteht Sorge, dass es durch die zunehmende Digitalisierung weniger echte Teamarbeit geben wird.

Selbstorganisation & Partizipation
Selbstorganisation und Eigenverantwortung nehmen an Bedeutung zu, erwünscht ist die Einbindung aller Gruppen in die Diskussion und Entwicklung. Damit verbunden ist die Gefahr der Selbstausbeutung. Menschen können sich zunehmend beteiligen, wissen aber noch nicht, wo ihre Grenzen, Verantwortungen und Entscheidungskompetenzen liegen. Hierarchien werden flacher oder lösen sich auf, dadurch entsteht oft Unklarheit und Unsicherheit. Ein neues Verständnis der eigenen Arbeitskultur muss erst entwickelt werden.

Bildung
Klar ist, dass Bildung einen zentralen Stellenwert hinsichtlich der Veränderung der Arbeitswelt einnimmt. Es ist es für viele fraglich ist, wie lange die aktuellen Ausbildungen überhaupt noch brauchbar sind. Es scheint, dass Zeugnisse unwichtiger werden.
Unklarheit herrscht auch darüber, was der Mensch wirklich lernen muss, um für die Zukunft der Arbeit gerüstet zu sein? Grundkompetenzen sind wichtig, aber auch das Wissen um die eigenen Fähigkeiten. Das aktuelle Bildungssystem bereitet junge Menschen nicht wirklich auf die Arbeit vor. Sichtbar wird, dass sich Bildung im Kontext der Veränderung von der Produktion zur Wissensarbeit verändert.

Neue Formen der Arbeit
Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit der Zukunft der Arbeit kommt immer wieder die Frage auf, was denn eigentlich Arbeit ist. Neben der klassischen Erwerbsarbeit gibt es viele Formen von Arbeit, wie Care-Arbeit, zivilgesellschaftliches Engagement oder Arbeit im familiären oder sozialen Kontext. Wie gehen wir in Zukunft mit anderen Formen der Arbeit um, die nicht bezahlt werden, aber das gesellschaftliche Gefüge stärken. Hier braucht es neue Bilder und Zugänge.

Aktuelle Ansätze in Unternehmen

Neue Methoden und Zugänge
Methoden wie Holakratie und soziokratische Unternehmensführung, flexible Arbeitszeitmodelle, die Förderung von Co-Creation innerhalb von Unternehmen aber auch über Unternehmensgrenzen hinweg und das Entstehen von neuen Netzwerken werden als zentrale neue Ansätze in einigen Unternehmen bereits umgesetzt.

Räume
Räume unterstützen die Zusammenarbeit, werden gemütlich gestaltet und wirken “privat” und kreativitätsfördernd. Zusatzangebote wie Fitnessstudios und Beachvolleyballplätze sind gegeben. Dadurch entstehen neue Arbeitssettings und interdisziplinäre Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg wird gefördert. Durch die Zunahme an EPUs kommt es zu einem größeren Angebot an Coworkings.

Unternehmenskultur
In vielen Unternehmen sind Veränderungen in der Unternehmenskultur bereits spürbar. MitarbeiterInnen werden in Entscheidungsprozesse eingebunden oder entscheiden als Betroffene selbst und haben auch das Gefühl „Nein-Sagen“ zu dürfen.
In Bezug auf die Arbeitszeitgestaltung sind Homeworking und flexible Arbeitszeiten bereits häufig möglich, und auch beim Gehalt herrscht bereits in einigen Firmen hohe Transparenz.
Immer wieder wird genannt, dass gesundes Essen angeboten wird und gemeinsame Mittagspausen zur Unternehmenskultur gehören. Der Umgang miteinander wird von viel Wertschätzung geprägt, zudem wird viel gelacht und es werden viele Geschichten erzählt. In jenen Unternehmen, die eine ausgeprägte Kultur des Miteinander haben, kommt es zu einer Vermischung von Arbeit und Freizeit. MitarbeiterInnen haben das Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein. Festgestellt wird, dass in Unternehmen, die von Kennzahlen und Reportings getrieben sind, Veränderungen in der Unternehmenskultur schwer möglich zu sein scheinen.

Bildung
In innovativen Unternehmen gibt es für alle MitarbeiterInnen die Chance zur Weiterentwicklung und zum Wechsel in einen anderen Arbeitsbereich. Es wird verstärkt in den Ausbau der Kompetenzen der MitarbeiterInnen investiert.

Wie geht es weiter?

Die oben ausgeführten Herausforderungen und Themenstellungen, die in den Dialogrunden intensiv diskutiert und erörtert wurden, werden im Rahmen des SMARTWORK camp16 in 6 THINK TANKS weitergeführt und verdichtet. Damit entsteht ein konkretes Bild, von dem was ist. Ausgehend davon werden Projektideen und Lösungen im Sinne von Prototypen entwickelt. In einem SMARTWORK LAB im November 2016 werden diese Projekte weiter ausgearbeitet.

Das Projekt wird gefördert von der Österreichischen Gesellschaft für politische Bildung.

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